Für soziale Mischung auch und gerade in Herdern

Amtsblatt-Artikel, Ausgabe Nr. 555

Freiburg, 01.07.2011

Herdern ist schön. Diejenigen, die dort wohnen, leben dort besonders gern. Aber Herdern fehlt auch etwas: die soziale Mischung. Dass dieser Stadtteil einer für Menschen mit dem erforderlich großen Geldbeutel sei, das ist kein Vorurteil, sondern wird auch im neu erschienenen Sozialbericht der Stadt Freiburg unter Beweis gestellt. Herdern fehlt – wie generell den Stadtteilen im Freiburger Osten, Wohnraum für Menschen mit kleinerem Geldbeutel.
  Die Johann-Sebastian-Bach-Straße mit ihren Kleinrentner-Wohnungen, erst von der Stadt und dann von der AWO bewirtschaftet, war bislang ein wichtiger Faktor der sozialen Bereicherung im Stadtteil. In Herdern trugen diese preisgünstigen Wohnungen zur sozialen Mischung bei: Die Menschen dort lebten in einem angenehmen Umfeld, und im Freiburger Westen kamen dadurch weniger Menschen an, die sich das Leben im Freiburger Osten nicht leisten konnten. Der Wohnungsmarkt in Freiburg ist sehr angespannt. Es ist möglich, Wohnungen zu fast jedem Preis zu vermieten. Das darf nicht dazu führen, dass die Stadt und ihre Wohnungsgesellschaft, die FSB, dies zum Anlass nehmen, in Gebieten wie Herdern vorhandene Flächen für das preiswerte Wohnen umzuwidmen und dort Kasse zu machen. „Wir sind der Meinung, dass die soziale Durchmischung unserer Stadtteile für die gesamte Stadt von großem Vorteil ist und dass insbesondere in wohlhabenden Quartieren alles getan werden muss, damit auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel dort leben können“, so SPD-Stadtrat Walter Krögner. Das Mietshäuser-Syndikat hat seriöse und nachvollziehbare Planungen zum Erhalt der Sozialwohnungen in der Johann-Sebastian- Bach-Straße vorgelegt. Walter Krögner: „Wir setzen uns dafür ein, dass dieser Standort als sozialer Wohnstandort erhalten bleibt. Die Stadt ist aufgefordert, eine Konzeption vorzulegen, die die Anzahl von preiswerten Mietwohnungen mindestens sicherstellt und nach Möglichkeit erhöht. Neben der Stadtbau – in Erfüllung ihres sozialen Auftrags – sehen wir das Mietshäuser-Syndikat als geeigneten Partner für die Umsetzung entsprechender Konzeptionen an.“

Es ist höchste Zeit!
Freiburg darf nicht weiter zerfallen in den reichen Osten und den armen Westen. Wer das soziale Auseinanderdriften der Stadt verhindern will, muss auch bereit sein, dafür auf Maximalgewinn zu verzichten. Stadtrendite ist mehr als eine klingelnde Kasse.