Teure Mieten in Freiburg verschärfen den Fachkräftemangel

Im öffentlichen Teil der gestrigen Hauptausschuss-Sitzung des Freiburger Gemeinderats berichteten die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Bärbel Höltzen-Schoh und Thomas Stoffel von der FWTM über den Arbeitsmarkt und die Situation bei der Versorgung mit Fachkräften im Bereich der Stadt Freiburg. Anlass war die Vorstellung des „Arbeitsmarkt-Monitors“ der Bundesagentur.

Anhand des Arbeitsmarktmonitors ist es auf der Basis unterschiedlichster Parameter möglich darzustellen wie sich der Freiburger Arbeitsmarkt im Vergleich zu anderen Städten und Regionen darstellt. „Idealerweise kann dieses Instrument zum Benchmarking und zur Orientierung der Arbeitsmarktpolitik genutzt werden“, so Renate Buchen, SPD-Fraktionsvorsitzende. Aufhorchen ließ die anwesenden StadträtInnen die Feststellung der Agentur, dass der derzeitige Aufschwung im Verhältnis zu vergleichbaren Städten in Freiburg vergleichsweise schwach ankomme. Auch der Umstand, dass in Freiburg 30.000 Menschen im sogenannten Schwachlohnbereich beschäftigt sind und teilweise ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt durch Arbeitslosengeld 2 beanspruchen, löste Diskussionen zwischen dem Oberbürgermeister und einigen Stadträten aus.

Angesichts einer aggressiven Anwerbepolitik der Schweiz spitzt sich die Situation bei der Versorgung mit Fachkräften in Südbaden spürbar zu. In ihrer Kritik an viel zu hohen Mietpreisen in Freiburg fühlt sich die SPD-Gemeinderatsfraktion durch die Präsentation des Arbeitsmarktmonitors bestätigt. Speziell aus dem Bereich der Pflege ist zu hören, dass viele Stellen nicht mehr besetzt werden können, weil das Pflegepersonal in Freiburg keine bezahlbaren Wohnungen mehr findet. Die Höhe der Mieten trifft auf ein geringes durchschnittliches Einkommen. Seit Jahren verlangt die SPD von der städtischen Wirtschaftsförderung mehr Kreativität auch bei der Ansiedelung industrieller Arbeitsplätze, da in der Industrie gute Löhne und deutlich höhere Gewerbesteuern anfallen als in Betrieben des Dienstleistungssektors. „Im Bereich des Baus preiswerter Mietwohnungen muss die Stadt Freiburg wesentlich ambitionierter vorgehen und sich auch einmal darüber Gedanken machen, ob nicht durch eigene Förderungen, die über die Förderungen des Landes hinausgehen, die Notwendigkeit der Zurverfügungstellung preisgünstiger Wohnungen zu fördern ist“, so Walter Krögner, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Angesichts der relativ hohen Langzeitarbeitslosigkeit in Freiburg sieht sich die SPD-Fraktion auch in ihrer alten Forderung nach der Umsetzung eines sogenannten dritten Arbeitsmarktes bestätigt, der Langzeitarbeitslosen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance (mehr) haben, eine reelle Beschäftigungsmöglichkeit und damit Teilhabe ermöglicht.