Wohnen in Freiburg schwer gemacht - Bewohnerversammlung der ECA-Siedlung in Haslach zeigt Missstände auf

Amtsblatt-Artikel, Ausgabe Nr. 572

Die Stimmung in der Aula der Polizeiakademie war zunächst angespannt, als ca. 50 Bewohner der ECA- Siedlung im Stadtteil Haslach den SPD-Stadträten Renate Buchen, Walter Krögner, Margot Queitsch und Stefan Schillinger gegenüber saßen. Die Mieterinnen und Mieter sind angesichts Abrisspläne der Freiburger Stadtbau (FSB) deutlich verunsichert.

Der Redebedarf war groß: Hauptkritikpunkt der Anwohner ist, dass die FSB sich seit Jahrzehnten fast überhaupt nicht um ihre Immobilien in der Müllheimer Straße kümmert. Viele Wohnungen weisen eklatante Mängel auf. Die Schilderungen der Anwesenden sind zum Teil beschämend. Die Vielzahl der berichteten Mängel lässt darauf schließen, dass nicht nur Einzelfälle geschildert wurden. Durch mangelhafte Sanierung fallen hohe Heizkosten an. Zudem dringt oft Feuchtigkeit in die Wohnungen ein, was Schimmel begünstigt. Viele Mieter berichten außerdem, dass der offizielle Ansprechpartner, das Mieterbüro, auch auf wiederholte Anfragen nicht reagiert habe bzw. erst gar nicht erreichbar war. Vor diesem Hintergrund  ist die jüngste Aussage des FSB-Geschäftsführers Klausmann, die Mieterbüros, die die FSB eingerichtet habe, seien eine unkomplizierte Anlaufstelle für Mieter, sehr fragwürdig. Dabei hat jeder Mieter das vertragliche Recht auf ordnungsgemäße Instandsetzung gegenüber seinem Vertragspartner, wie Gerald Lackenberger vom Quartiersbüro Haslach deutlich machte. Auch die Frage nach der Zukunft der Siedlung wurde diskutiert. Festzuhalten ist, dass der Zustand der Wohnungen sich zum Teil deutlich unterscheidet. Nur Abriss und Neubau ist  keine gute Lösung. Es muss überlegt werden, ob es in manchen Fällen nicht sinnvoller wäre, zu sanieren. Stadtrat Walter Krögner bemerkte hierzu, dass im Gebiet „Im Metzgergrün“ im Stadtteil Stühlinger die Bürger zusammen mit einem Architekten erhaltende und finanzierbare Sanierungsmaßnahmen entwickelten. 

Sozialverträgliches Bauen und Wohnen ist ein Thema, mit dem wir uns als Freiburger auseinandersetzen müssen. Es kann nicht sein, dass Mitbürger mit einem kleineren Geldbeutel sukzessive aus der Stadt verdrängt werden. Vor allem wenn es sich um Mieter der FSB handelt. Dieser Standpunkt ist Konsens an diesem Abend und so werden sich Stadträte und Anwohner einig darüber, dass eine zweite Versammlung stattfinden soll. Insgesamt also ein stärkender Abend in gemeinsamer Sache.